Grüne Mode, Materialien & Pflege

Blue, blue Jeans – Die traurige Seite der Jeans

Ich habe oft gesagt, dass ich gerne die Jeans erfunden hätte: das spektakulärste, praktischste und lässigste Kleidungsstück. Sie haben Charakter, Bescheidenheit, Sexappeal und Einfachheit – all das, von dem ich hoffe, dass es in meinen Kreationen existiert.“ (Yves Saint Laurent)

Die Jeans ist wohl eines der wichtigsten Kleidungsstücke, das es gibt. Ihre Geburtsstunde ist der 20. März 1873, an dem Levis Strauss und dem Schneider Jacob Davis in den USA das Patent auf die Hose aus robustem Baumwollstoff zugesprochen wurde. Zuvor wurde sie allerdings schon in Italien, in Genua, für Seeleute hergestellt.1 Das Kleidungsstück hat also schon mehr als ein Jahrhundert Mode überlebt und war schon in den unterschiedlichsten Variationen modern. Wer hierzu gerne mehr lesen möchte, kann das auf Wikipedia tun.

(Fast) jeder von uns besitzt mindestens eine Jeans. Jeans sind sehr praktisch, da sie erstens sehr robust sind und ein langes Leben haben und zweitens vielseitig einsetzbar sind. Doch besonders bei modernen Jeans werden Verfahren bei der Herstellung eingesetzt, die weder für die Arbeiter noch für die Umwelt gesund sind.

Sandblasting/Sandstrahlen verleiht der Jeans ein getragenes, verwaschenes Aussehen. Während des Prozesses des Sandblastings wird die Jeans mithilfe kleinster scheuernder Partikel geglättet, geformt und gereinigt. All das bei hoher Geschwindigkeit. Dies ist eine besonders günstige Methode, eine ungetragene Jeans in den gefragten Used-Look oder Vintage-Style zu bringen. Dabei wird jedoch die Gesundheit und infolgedessen sogar das Leben der Arbeiter, die Sandblasting durchführen, gefährdet. Das Resultat kann nämlich Silikose sein.

Bereits seit längerem setzt sich die Clean Clothes Campaign mit der Thematik auseinander und brachte einige Hersteller dazu, sich dafür auszusprechen, das Sandblasting einzustellen. Erst im letzten Bericht zum Thema kann man jedoch lesen, dass viele Fabriken immer noch Sandblasting durchführen. Das hängt unter anderem mit der hohen Nachfrage und den schnell aufeinander folgenden Deadlines in der Herstellung zusammen. Problematisch ist auch die mangelnde medizinische Versorgung und Nachsorge betroffender Arbeiter.

Selbst wenn kein Sandblasting eingesetzt wird, wird die Jeans für einen Used- oder Vintage-Look oft mit viel Lauge gewaschen, mit chlorhaltigen Mitteln gebleicht oder mit anderen gesundheitsschädigenden Chemikalien behandelt. Dabei werden Unmengen an Wasser verbraucht und das Abwasser (dauerhaft) verschmutzt, das wiederum zumeist nicht genügend gereinigt wird.

Des weiteren werden bei der Jeansherstellung teilweise Kunstharze als Knitterschutz und Glanzmittel eingesetzt, die Formaldehyd enthalten können, das als krebserregend gilt. Dieses kann durch Schwitzen oder Bügeln freigesetzt werden.
Wer noch nicht genug hat, kann sich mit der sehr guten Dokumentation Der Preis der Blue Jeans vom NDR  weiter über den Raubbau an Mensch und Natur bei der Jeansherstellung informieren. Es wird hier auch über die schlechten Arbeitsbedingungen berichtet.

Es ist natürlich anzumerken, dass auch bei anderen Kleidungsstücken gesundheitsschädigende Stoffe enthalten sein können und die Umwelt unter dreckigen Abwässern zu leiden hat. Eine Jeans im Used- oder Vintage-Look kann man aber leicht umgehen.

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass eine Jeans, die stark weiter bearbeitet wurde, mehr negative Auswirkungen auf die Menschen und die Umwelt hat, als eine klassische Blue Jeans. Deswegen ist diese eigentlich allen anderen vorzuziehen. Am besten und sichersten ist es natürlich, Jeans bei nachhaltigen Unternehmen zu kaufen (zB. Hess Natur, Kuyichi, Howies). Da es auch umwelt- und gesundheitsfreundlichere Verfahren gibt, einer Jeans ein anderes Aussehen zu verleihen, kann man dort auch ähnliche Looks kaufen und muss nicht ganz darauf verzichten ;-).

Es gibt übrigens auch weitere gute Gründe klassische dunkelblaue Jeans vorzuziehen:

  • Sie passt zu allen Stilen.
  • Sie kann auch zu eleganteren Looks kombiniert werden.
  • Zu viele Extras an einer Jeans können schnell billig aussehen (und passen nicht überall dazu).
  • Eigentlich sind künstlich in den Used-Look gesetzte Jeans ziemlich uncool, cool ist es erst dann, wenn die Jeans so alt sind, dass sie verwaschen und zerrissen sind, denn nur dann ist es auch wirklich authentisch (man denke nur an Grunge Look mit Pseudo Used Jeans ;-)).
  • Ich bilde mir zumindest ein, dass diese auch länger halten, da sie nicht so stark vorbehandelt wurden.

Ich für meinen Teil trage übrigens nicht nur wegen der negativen genannten Aspekte wenig Jeans, sondern auch, da es weitaus bequemere Kleidungsstücke gibt und gute, schöne Jeans echt teuer sind.

Wie sieht es bei euch aus, tragt ihr viel Jeans? Tragt ihr Used-Look Jeans oder greift ihr auch lieber zur klassisch dunkelblauen?

Weitere interessante Artikel zum Thema Jeans:

Die durstige Hose – oder die ökologisch korrekte Jeans
Good Jeans Guide
Blue Jeans – eine Katastrophe für Chinas Umwelt
Dunkelblaue Jeans sind besser

Verwendete Literatur:
Antonio Mancinelli: Fashion Box. Modeklassiker und ihre Stars – Von der Jeans bis zum kleinen Schwarzen. Köln, 2011. S. 145.

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5 Kommentare

  • Antworten Sun 24. Juni 2012 um 21:30 Uhr

    Yay Mari,
    sehr guter und prägnanter Artikel 🙂 Die NDR-Doku habe ich jetzt auch schon zwei Mal gesehen. Vom Sandstrahlen und Chemieeinsatz und den damit verbundenen Belastungen für die Menschen, die die Jeans herstellen, hatte ich zuvor schon häufig gelesen. Sehr überrascht haben mich noch mal die Umweltschäden und die Folgen für Gewässer, Boden und somit die ortsansässigen Bauern. Die Detox-Kampagne von Greenpeace hatte darauf auch aufmerksam gemacht. Dabei ging es aber eher um Sportbekleidungshersteller.

    Ich finde auch deine modischen Einwände sehr gut und kann diese nur bestätigen. Teilweise ist dieser Used-Look durch Sandstrahlen so schlecht gemacht, dass es einfach nur peinlich aussieht 😀

    Liebe Grüße
    °Sun

    • Antworten Mari 25. Juni 2012 um 19:36 Uhr

      Hey Sun,
      über die Detox-Kampagne habe ich auch gelesen. Mir waren die Umweltschäden durch die Kleidungsproduktion selber lange nicht wirklich bewusst. Über die unfairen und schlechten Arbeitsbedingungen bekommt man irgendwie mehr mit und ich hatte mich auch schon länger damit befasst. Dabei ist beides schockierend!
      Liebe Grüße

  • Antworten Princess 25. Juni 2012 um 20:27 Uhr

    Schöner Bericht! Ich muss mir echt mal einen Schwung Jeans von Kuyichi, bei mir in der Nähe gibt es leider keinen Laden, der die Marke führt, sonst würde ich wohl schon ein Exemplar besitzen.

    Liebe Grüße 🙂

    • Antworten Mari 25. Juni 2012 um 21:00 Uhr

      Hallo Princess,
      leider ist es ja allgemein eher schwierig in Städten nachhaltige Kleidung zu kaufen, zumindest wenn man nicht gerade in Berlin wohnt. Kuyichi gibt es interessanterweise sogar bei Kaufhof, aber nur für Herren. Da bleiben dann nur noch Online-Shops (wie Armed Angels, ORGANICC, Zalando, Otto) und das gestaltet sich eher schwierig, wenn man seine Größe bei der Marke noch nicht weiß :(.
      Liebe Grüße

      • Antworten Princess 26. Juni 2012 um 19:56 Uhr

        Ich werde wohl bei Zalando bestellen, das ist versandkostenfrei soweit ich weiß und Zurückschicken kann man auch…:)
        Ich muss dann mindestens 2 Größen bestellen.

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