Gedanken, Grüne Mode

Dauer-SALE und häufiger Kollektionswechsel

Die Mode im heutigen Sinne entwickelte sich erst im Laufe des frühen 20. Jahrhundert. Als Begründer gilt der Engländer Charles Frederick Worth, welcher 1858 mit dem schwedischen Partner Boberg sein eigenes Couture Haus in Paris eröffnete. Er war der erste, der seine Kleider wie ein Kunstwerk signierte und sie einmal im Jahr als Kollektion vorstellte. Damit veranlasste er eine ständige Veränderung der Kleidung, also das, was die Mode bis heute ausmacht. Zusätzlich setzte er verschiedene Marketingstrategien ein, um größeren Profit zu erzielen. Somit konnte er seine Kleidung gewinnbringend vermarkten. [Seeling, Charlotte: MODE. Das Jahrhundert der Designer. 1900-1999. Köln 1999, S. 15.]

Heutzutage liefern zweimal im Jahr die großen Modeschauen die neuesten Trends, Herbst/Winter und Frühjahr/Sommer. Die Mode in den Läden ändert sich sogar alle paar Wochen. Einige Marken bieten mittlerweile alle vier Wochen neue Kleidungsstücke an. Auch SALE gibt es nicht nur noch zweimal im Jahr (Winter/Spätsommer) sondern viele Male mehr.
In meiner Stadt befinden sich die Kleidungsgeschäfte seit mindestens zwei Jahren im gefühlten Dauer-SALE. Ich schätze, dass nur noch circa 10 Wochen im Jahr in keinem Geschäft SALE ist. Es gibt mittlerweile sogar Mid-Season-Sale. Da stellt sich die Frage, ob tatsächlich soviel mehr produziert als gekauft wird und warum und/oder ob das reine Verkaufsstrategie ist. Bei so häufigen Vergünstigungen muss man theoretisch gar nichts mehr zum Normalpreis kaufen. Gleichzeitig wird man natürlich dazu angeregt, ständig etwas zu kaufen.

Allgemein will ich mich ja nicht über günstigere Produkte beklagen, aber Fakt ist ja, dass da irgendetwas schief läuft und man die ursprünglichen Preise auch nicht mehr ernst nehmen kann. Es zieht offensichtlich, wenn etwas im Sale ist, die Leute denken dann, sie machen das besondere Schnäppchen…hat sich ja gelohnt. Und sie kaufen garantiert viel mehr als gewollt.
Sehr stark fällt mir das Phänomen Dauer-Sale bei Esprit auf, da ich Club-Mitglied bin. Immer mehr Marken ködern ihre Kunden mit Prozenten und Aktionen und binden sie mithilfe von Clubkarten. Gleichzeitig können sie dadurch natürlich auch das Kaufverhalten analysieren. In den meisten Fällen bringt eine solche Karte dem Kunden jedoch nur wenig bis gar keinen Gewinn, es sei denn, man kauft mehr als man eigentlich vor hatte und/oder ständig bei der gleichen Marke…(weil man ja schon wieder so einen 6 Euro Gutschein hat, für den man aber nur mit Aufpreis etwas kaufen kann.) Das Ganze ist also sehr fragwürdig.
Auch bedenklich an dem häufigen Kollektionswechsel finde ich, dass man nicht mehr schnell genug gucken kann und natürlich viel zu viel interessant findet. So schnell wie die Mode aus den Läden verschwindet wird sie später auch aus dem Kleiderschrank verschwinden (oder darin vermodern). Dazu kommt, dass man mittlerweile alles günstig bekommt (sogar große Designer geben mittlerweile Kollektionen bei H&M raus), jeder kann theoretisch alles tragen, auch wenn garantiert bei Qualität und Design abgezwackt werden muss.

Seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts wird Kleidung industriell gefertigt, so entstand die Konfektionsmode. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurde die Mode im heutigen Sinne erfunden und zu einer Massenindustrie gestaltet. Heute weiß fast jeder, wie schlecht zumeist die Bedingungen in der Bekleidungsindustrie sind. Große Massen in kurzer Zeit zu kleinem Preis zu produzieren fördert keine besseren Bedingungen…im Gegenteil.
Bei mir haben die häufigen Kollektionswechsel und der Dauer-Sale irgendwann zu einer Überreizung geführt. Es wird soviel angeboten, dass mir kaum mehr etwas gefällt und meine Ansprüche sind enorm gestiegen. Dazu kommt, dass ich mit den Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie nicht einverstanden bin und Verkaufsstrategien und häufigen Kollektionswechsel für fragwürdig halte. Bei mir hat das also alles genau zum Gegenteil von dem geführt, was erwartet wird. Ich kaufe nicht mehr, sondern wesentlich weniger.

Geht euch das vielleicht auch so? Ist euch auch aufgefallen, dass SALE häufiger geworden ist, oder ist das in eurer Stadt nicht so? Kauft ihr schneller etwas, wenn es günstiger ist?

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag

Ebenfalls interessant

4 Kommentare

  • Antworten Pastellfee 19. August 2012 um 19:50 Uhr

    Mir ist dieser dauer-Sale auch schon negativ aufgefallen. In meiner Kindheit kannte ich noch den Sommer- und Winterschlussverkauf, zu dem mich Mami immer geschleppt hat, aber jetzt findet man ja immer reduzierte Kleidung fast überall. Die Kollektionen wechseln sich einfach zu schnell ab, was heute in und trendy ist, ist in den nachsten zwei Monaten schon wieder vergessen… Soll ich mir nun tatsächlich Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winterhosen kaufen? Ich kaufe lieber Basics, die ich mehrere Saisons und Jahre lang trage (bis sie auseinanderfallen in etwa) und habe mehr von meiner Kleidung. Ich repariere auch kleine Schäden wie zB Löcher mit der Hand, bevor ich mich nach Neuem umsehe.

    • Antworten Mari 19. August 2012 um 23:00 Uhr

      Hallo Pastellfee,
      das empfinde ich als eine gute Einstellung :). Ich kaufe mittlerweile auch fast nur Basics oder klassische Sachen, die man einfach immer tragen kann. Gerade Trend-Hosen finde ich schwierig, da es einfach bestimmte Schnitte gibt die nur bestimmten Leuten stehen (zB Cargo Hosen). Da sollten man lieber das tragen was einem steht!
      LG Mari

  • Antworten Sun 22. August 2012 um 19:19 Uhr

    Da kann ich eigentlich gar nichts ergänzen. Es geht mir genau wie dir. Das Stichwort Überreizung finde ich da sehr treffend. Ich gehe auch immer seltener in die großen Modeläden…am Anfang meiner „Bekleidungskaufumstellung“ habe ich das noch häufiger getan. Inzwischen finde ich es viel spannender Second Hand ein Traumteil zu ergattern….wie vor kurzem ein selbst gebatiktes Shirt (mit einem Label von H&M) für 4 Euro. Aktuell suche ich nach einem hübschen warmen Pullover in Burgund bzw. Bordeaux für den Herbst (ja….die modischen Trends gehen nicht an mir vorbei, auch wenn ich nur noch selten Neuware kaufe). Sollte ich nichts passendes finden, ist es aber auch kein Problem.

    Liebe Grüße
    °Sun

    • Antworten Mari 22. August 2012 um 19:29 Uhr

      Hallo Sun,
      einige Trends kehren ja immer wieder, vor allem bestimmte Farben, von daher fände ich es auch unsinnig ganz auf Trends zu verzichten bzw. es ist eigentlich auch unumgänglich. Gerade Bordeaux, Lila und Tannengrün sind Farben, die alle paar Jahre (wenn nicht sogar jedes zweite) im Herbst/Winter in sind. Übrigens witzig, ich hätte nämlich gerne ein Batik Shirt, habe noch keines gefunden und schon überlegt, selber eines zu machen :).
      Liebe Grüße

    Schreibe einen Kommentar