Gedanken, Grüne Mode

H&M (UN)CONSCIOUS

Wie nachhaltig kann eine H&M Kollektion sein?

Die neue Conscious Collection von H&M hat für leichten Wirbel gesorgt. Die Kollektion wird von Vanessa Paradis beworben und ist ein bunter Mix aus Exotik-Jungel. Zusätzlich gibt es außerdem eine Conscious Exclusive Collection, die, wie der Name schon sagt, Abendkleidung beinhaltet aber auch exklusiv teuer ist. Die Kleidung besteht hauptsächlich aus recycelten Materialien und Bio-Baumwolle. Ich muss zunächst sagen, dass ich diese Punkte schon mal gut finde, würde mir aber mehr Transparenz wünschen, was die Farben und Umweltschonung angeht, es ist nämlich gut möglich, dass die Teile mit Chemiekeulen gefärbt werden, die die Umwelt verpesten.

Außerdem wird H&M vorgeworfen, dass sie ihre Kollektion aus nachhaltigen Materialien als Conscious betiteln, obwohl in Fabriken, die für H&M herstellen, Menschen unconscious (bewusstlos) werden, weil sie an Mangelerscheinungen durch zu wenig und zu schlechte Nahrung leiden, was wiederum auf die niedrigen Löhne zurückzuführen ist. Das ist schon fast Ironie, wie ich finde. Mehr dazu lesen könnt ihr zum Beispiel hier und hier.  Die Clean Clothes Campaign hat das H&M Plakat der Conscious Collection umgestaltet und folgend betitelt: „Unconscious Collapses, start paying living wages.“ Sehr gelungen, wie ich finde, da ich mittlerweile auf jedem H&M Werbeplakat Unconscious Collection statt Conscious Collection lese ;-). Auf der Facebook Seite der Clean Clothes Campaign wurde dazu aufgerufen, das umgewandelte Plakat auf der H&M Facebook Seite hochzuladen, diese wurden dort natürlich gelöscht. Groß geäußert hat sich H&M dazu auch nicht, lediglich auf ihr Sustainability Update  von Oktober 2012 hingewiesen. Meiner Meinung nach lohnt es sich auch tatsächlich das zu lesen, allerdings weist H&M darin die Verantwortung teilweise von sich, indem gesagt wird, dass die Regierungen der entsprechenden Länder für den Mindestlohn verantwortlich sind. Das stimmt zwar teilweise, wird der Mindestlohn allerdings von diesen hochgesetzt, suchen sich viele Marken wieder ein billigeres Land zum Produzieren, was der Wirtschaft im Ursprungsland natürlich schadet. Folglich werden die Mindestlöhne nicht höher gesetzt. Es liegt also schon in der Verantwortung der Marken. Und des Konsumenten natürlich, denn wir können entscheiden wo wir kaufen. Und wir können in Aktion treten und zum Beispiel über dieses Formular mit H&M, Levis, GAP und Zara  in Kontakt treten und Forderungen stellen.

Die Conscious Collection wirft also die Frage auf, ob H&M nur auf die Grüne Welle aufspringt oder es ernst meint. Dem ganzen positiv abzugewinnen ist aber doch sicherlich, dass das Thema wieder mehr im Gespräch ist und die Vorgehensweise von H&M hinterfragt wird. Und da kann sich H&M sicherlich verbessern, was ja auch wünschenswert wäre! Im Deutschen wird der Titel Conscious Collection übrigens mit nachhaltigere Kleidung auf der Webseite beschrieben, was ich etwas sympathischer finde, da es nicht so anmaßend ist und mehr der Wahrheit entspricht.
Was ich allerdings an der Conscious Collection noch fragwürdiger finde ist, dass tatsächlich einige Blogger über die Kollektion berichten, ohne zu hinterfragen was da passiert. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie die Kollektion einfach kaufen weil grün gerade trendy ist, sie einfach nur die Kleidung toll finden und gar nicht an Nachhaltigkeit interessiert sind oder sich leider von der Werbekampagne haben blenden lassen. Alles in allem will ich natürlich aber auch sagen, dass es für Leute, die wenig Geld zur Verfügung haben, trotzdem eine etwas nachhaltigere Einkleidungsmöglichkeit bietet. Dennoch sollte man das ganze hinterfragen und mehr von H&M fordern!

Zum Design der Conscious Collection möchte ich auch noch kurz etwas sagen, ich habe sie mir nämlich im Laden angesehen. Die Jungel-Prints sehen meiner Meinung nach billig aus und sind so vom Design her überhaupt nicht nachhaltig. Dafür sind sie viel zu modern, kurzlebig und eben billig. Ein paar Teilen habe ich auch schon die schlechte Verarbeitung angesehen…auch nicht nachhaltig. Aber es waren auch ein paar hübsche Sachen dabei, die man sicherlich länger tragen kann. Die Kollektion ist also insgesamt vielschichtig zu sehen :-). Die Möglichkeit die Conscious Collection Exclusive anzusehen hatte ich übrigens (noch) nicht.

H&M bietet nun außerdem im Zuge des Bewusstseins 😉 an, Klamotten die abgetragen oder kaputt sind zurückzunehmen, und zwar nicht nur die von H&M sondern auch andere. Pro Tag kann man zwei Tüten voll Altkleidung in ausgewählten Geschäften abgeben. Diese werden entweder weiter verkauft, zur Energiegewinnung verwendet oder recycelt (zu minderwertigen Produkten wie Putzlappen) oder z.B. als Dämm- und Isolierstoffe wiederverwertet. Für jedes Kilogramm Kleidung spendet H&M 0,02 EUR an regionale gemeinnützige Organisationen, außerdem erhält man einen Rabattgutschein bei Abgabe der Kleidung. Laut der Webseite dienen die Einnahmen durch das Programm auch nur dafür und werden zudem zur Förderung von Innovationen im Recyclingbereich verwendet. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. H&M bindet mit den Rabattgutscheinen sicherlich Kunden an sich und macht natürlich Werbung für das grüne Image. Allerdings macht H&M mit der Kleidung eigentlich auch nichts anderes, als die meisten anderen Annahmestellen. Statt Rabattgutscheine anzubieten, könnte auch einfach den Arbeiter ein besserer Lohn geboten werden, wie wäre es damit? Innovationen im Recyclingbereich wären aber natürlich wünschenswert. Schwierig zu entscheiden, ich würde es mir bei der nächsten Abgabe aber überlegen, da ich lieber H&M als irgendeine unbekannte, unseriöse Altkleiderspende-Box auf der Straße unterstütze.

Was haltet ihr von dem neuen Bewusstsein von H&M? Traut ihr der Marke? Kauft ihr selber dort und seid an einer Conscious Collection interessiert?

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6 Kommentare

  • Antworten Sun 12. April 2013 um 17:23 Uhr

    Hey Mari,

    ich hab schon darauf gewartet, dass du dich dazu noch äußerst 🙂

    Da ich mir drei Teile aus der Collection gekauft habe, ging das Thema natürlich auch an mir nicht vorbei. Ich war sehr genau bei meinem Einkauf und drei Mal (!) in der Filiale zur Anprobe, bevor ich die Sachen schließlich mitgenommen habe. Ich wusste schon beim ersten Mal, dass sie richtig gut passen, mir stehen und ich sie gern tragen werde. Aber da es eben „nur“ recycelt bzw. Bio-Baumwolle ist und der Gedanke der fairen Arbeitsbedingungen ausgeklammert wurde, wollte ich auf Nummer sicher gehen.

    Letztlich finde ich den Ansatz einer solchen Conscious Collection gut, aber es ist mir eben auch klar, dass bei H&M keine großartig lobenswerte Philosophie dahinter steckt, sondern das Unternehmen (ganz im Sinne der Gewinnorientierung) auch ein Stück vom „grünen“ Kuchen abhaben will. Wenn aber eben dies – also die pure Gewinnmaximierung – bei Firmen dafür sorgt, dass sie nachhaltiger agieren, soll mir das auch recht sein. Es geht aber eben auch noch deutlich besser als bei H&M, wie viele kleine Unternehmen die nachhaltig UND fair produzieren, beweisen.

    Der Aspekt, dass das Thema Nachhaltigkeit auch bei jüngeren Käufern, durch bekannte Hersteller wie H&M, zum Thema wird, sollte man auch bedenken. Vielleicht ist es der erste Anstoß, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Anfänglich habe ich z.B. Bio-Lebensmittel gekauft, weil ich wusste, dass sie für mich besser sind (weniger Pestizide!) – im Nachhinein betrachte ein sehr egoistischer Gedanke. Daraus entwickelte sich aber auch das Bewusstsein, dass sie auch für unsere Umwelt und die Arbeiter/Produzenten Vorteile haben, was mir heute eben auch wichtig ist. Der ein oder andere Käufer der Conscious Collection, der jetzt lieber Bio-Baumwolle auf seiner Haut trägt, denkt das Thema nachhaltige Kleidung vielleicht irgendwann auch weiter und entwickelt ein ausgeprägteres Bewusstsein für das Thema.

    Den von dir genannten Anreiz zur Altkleidersammlung, nämlich eine bessere Entlohnung für die Arbeiter, würde ich auch angemessener finden. Durch einen Rabatt wird letztlich nur der (wenig nachhaltige) Konsum gefördert. Den Altkleider-Kontainern traue ich auch nicht. Ich war Anfang der Woche ein paar Sachen im Second Hand-Laden abgeben. Da wurde mir auch noch mal empfohlen die restlichen Klamotten lieber direkt bei Institutinonen wie den Bahnhofsmission oder Frauenhäusern vorbei zu bringen, anstatt sie in so eine Box zu werfen. Online findet man für seine Stadt eigentlich auch recht schnell Annahmestellen.

    Liebe Grüße
    °Sun

    • Antworten Mari 14. April 2013 um 17:10 Uhr

      Hallo Sun,
      ich finde es eben auch ganz gut, dass H&M eine solche Kollektion anbietet, auch damit das Thema mehr Menschen zugänglich wird. Schön wäre auch, wenn sich die Arbeitsbedingungen ändern würden. Ich befürchte nur, dass dies zu den Preisen leider unmöglich ist, etwas teurer würde H&M schon werden. Deswegen bleibt auch zu hoffen, dass sich die Einstellung der Konsumenten ändert: lieber weniger und gute Qualität für mehr Geld. Dazu könnte eine Marke aber auch beitragen, zum Beispiel indem sich die Mode nicht ständig ändert, sie mehr auf Qualität als Quantität setzen würden usw…
      Mal sehen wie das weiter geht mit H&M :).

      Ich habe übrigens schon öfter gelesen, dass in Deutschland so viele Klamotten abgegeben werden, dass es überhaupt keinen Bedarf mehr an Altkleidern für Deutschland gibt. Gibt man die Kleider also bei „besseren“ Annahmestellen ab, stellt sich die Frage, wo all die überflüssige Kleidung landet…

      LG Mari

  • Antworten Mia Alabaster 15. April 2013 um 07:40 Uhr

    Sehr interessant geschrieben. Ich habe selbst einige Jahre bei H&M gearbeitet. Das ist lange her und war kurz nach dem Abitur. Damals war es jedoch (firmenintern) auch schon so, dass man ohne spezielle Kollektionen H&M zumindest für die Mitarbeiter als umweltbewusst und karitativ dargestellt hat. Ich weiß heute noch, dass die internen Magazine damals schon von der guten und fairen Baumwolle berichtet haben und den vielen armen Kindern, die H&M unterstützt. Wenn man im System steckt, hinterfragt man das freilich weniger und ich habe damals einfach erstmal geglaubt, was einem Filialleitung/Area-Leitung/Magazine/Poster usw. verklickert haben.^^

    Liebe Grüße

    • Antworten Mari 22. April 2013 um 20:37 Uhr

      Interessant zu hören, wie das intern abläuft. Ich denke, als Mitarbeiter, wenn man nicht gerade in einer hohen Position sitzt, bekommt man auch nicht wirklich viel mit…
      Liebe Grüße

  • Antworten Sabrina 19. April 2013 um 11:42 Uhr

    Mir geht es mit der Kollektion genauso wie dir. Ich habe das Gefühl, dass man der gesamten H&M Marke damit einen nachhaltigen und sympathischen Anstrich geben will, ohne wirklich hinter nachhaltigen Mode zu stehen.

    • Antworten Mari 22. April 2013 um 20:42 Uhr

      Hallo Sabrina,
      deinen Post zum Thema hatte ich auch schon gelesen, nur konnte ich da irgendwie nicht auf deinem Blog antworten. Jetzt geht es, ich freue mich auf Austausch!
      Liebe Grüße

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