Grüne Mode, Materialien & Pflege

Lederalternativen I: Bio-Stoffe, PVC & PU und Recycling-Materialien

Seit meinem nun schon etwas länger zurückliegendem Artikel Chromgerbung und ihre Folgen – Welche Alternativen gibt es hat sich etwas im Bereich der Grünen Mode getan: Es gibt immer mehr nachhaltige Labels die auf pflanzliche Gerbung setzen oder gänzlich andere Alternativen zu Leder anbieten. Ein paar davon habe ich mir genauer angesehen in Bezug auf Nachhaltigkeit, Haltbarkeit, Aussehen und Bezugsmöglichkeiten.
Passend zu den Materialien gebe ich euch immer Links zu den Labeln an, die unter anderem Produkte aus diesem Material anbieten.

Bio-Baumwolle, Leinen (Canvas), Hanf

Wer auf Leder verzichten möchte kann ganz einfach auf natürliche Textilien zurückgreifen, wie Bio-Baumwolle, Leinen (auch als Canvas bekannt) oder Hanf.

Vorteile: Alle drei sind umweltfreundlichere und vegane Alternativen. Wichtig dabei ist jedoch, dass sie aus nachhaltigem Anbau stammen! Im Grunde lässt sich daraus auch alles herstellen: Schuhe (in Verbindung mit Naturkautschuk), Taschen und Geldbeutel. Man kann diese im Normalfall sogar ab und zu mal waschen. Außerdem sind diese Alternativen sehr robust. Eine Tasche aus Canvas kann man ziemlich schwer beladen. Zudem können diese Materialien Feuchtigkeit (Schweiß) gut aufnehmen und geben sie langsam wieder ab, was bei Schuhen natürlich relevant ist.

Nachteile: Leider gibt es in der nachhaltigen Mode nicht besonders viele Anbieter, die Accessoires aus diesen Materialien in Bioqualität anbieten. Produkte aus diesen Stoffen wirken immer eher sportlich und casual, wobei das meiner Meinung nach auch ausbaufähig wäre. Unbehandelt sind diese Materialien außerdem nicht wasserdicht.

Fazit: Eigentlich eine tolle und praktische Alternative, aber leider gibt es noch nicht viele schöne Modelle, wenn man nicht gerade die typischen Jute-Beutel oder Shopper sucht. Mit Wachs beschichtet können diese Materialien übrigens auch wasserabweisend sein und eine lederähnliche Wirkung erzielen (zum Beispiel auch als Jacke).

Links: Veja, Natureal World, My Biotiful Bag, Slowers, Ethletic

Polyvinylchlorid (PVC), Polyurethan (PU)

Polyvinylchlorid und Polyurethan sind synthetische Chemiefasern, die als wasserabweisende Beschichtung auf Gewebe (zum Beispiel aus Polyester oder Baumwolle) dienen und für Accessoires und Schuhe verwendet werden können. Die Materialien, die als Kunstleder oder veganes Leder bezeichnet werden bestehen übrigens im Normalfall auch aus PVC oder PU.

Vorteile: Diese Alternativen sind vegan, stark wasserabweisend und können sehr unterschiedlich in Aussehen und Griff sein und somit Leder gut nachahmen. Deswegen sind hier im Design auch wenig Grenzen gesetzt und man findet eine große Auswahl im Ethical Fashion Bereich. Dabei sollte man aber immer auch bedenken, dass ein veganes Label nicht automatisch fair produzieren lässt und auch nicht immer auf Nachhaltigkeit achtet!
Diese Materialien sind sehr pflegeleicht, man muss sie weder imprägnieren noch besonders pflegen (wie Leder), es können keine Wasserflecken entstehen und das Abwischen mit einem feuchtem Tuch reicht vollkommen aus. Ein Vorteil ist sicherlich auch, dass sie günstiger sind, wobei man bei vielen Labels für das Design und angeblich innovative Techniken bei der Materialherstellung drauf zahlt. Gut verarbeitet sehe ich übrigens weniger Probleme, was die Haltbarkeit und Abnutzung von Taschen angeht.

Nachteile: Leider haben PVC und PU auch einige Nachteile, da es nun mal synthetische Chemiefasern sind. Ein Nachteil ist, dass die Aufnahmefähigkeit von Feuchtigkeit beschränkt ist und man bei Hitze einfach schneller schwitzt als in Echtleder. Das wiederum kann sich nicht nur negativ auf den Geruch auswirken sondern auch Pilzerkrankungen und Blasenbildung hervorrufen. Außerdem passen sich diese Materialien dem Fuß nicht so gut an, wie Leder. Heißt, das Einlaufen von Schuhen kann etwas dauern und meiner Erfahrung nach nutzen sich diese auch schneller ab, da das Material sich nicht so gut um den Fuß formen kann. Es kann also durchaus eine Schichtablösung erfolgen.

PVC und PU sind außerdem gesundheitlich und ökologisch bedenklich. Es können allergieauslösende oder gar krebserregende Chemikalien enthalten sein, die den Träger schaden können. Auch bei der Produktion werden Dauergifte freigesetzt. Zudem ist die Entsorgung schwierig und stellt eine Umweltbelastung dar, da es schwer abbaubar und selten recyclingfähig ist. Für die Herstellung von PU gibt es alternative Verfahren, weswegen es weniger umweltschädlich und somit vorzuziehen ist.
Fazit: Zu Chrom gegerbten Leder kann PU je nach Herstellung sicherlich eine Alternative sein, ob es eine gute Alternative für pflanzlich gegerbtes Leder ist wage ich allerdings zu bezweifeln. Für Menschen die auf Leder verzichten wollen ist es allerdings eine praktische Alternative, aber eben nicht die umweltfreundlichste. Da es deutlich mehr Labels gibt die zum Beispiel Taschen aus PU anbieten und ich es auch wesentlich pflegeleichter finde, kaufe auch ich PU beschichtete Produkte.

Mich stört es aber erheblich, dass es manchmal schwierig ist herauszufinden, ob ein veganer Schuh nun auch aus PVC oder PU besteht, da viele Hersteller einfach nur den Begriff veganes Leder angeben, was theoretisch alles bedeuten kann und eine Herstellung aus Microfasern ebenfalls denkbar wäre. Auch stört mich, dass manche vegane Labels als nachhaltig und fair angesehen werden (was sicherlich auch durch das Marketing gefördert wird), obwohl das eben sehr fraglich ist, es keine passenden Zertifizierungen gibt und man auf den Webseiten zum Thema fairtrade schnell abgespeist wird.

Links: Matt&Nat, Stella McCartney, Beyond Skin

Recyceltes Polyester und Nylon

Auch Polyester und Nylon sind synthetische Chemiefasern. Es sind extrem leichte Materialien, die gerne als Futter oder Grundlage für Beschichtungen mit PU und PVC verwendet werden. Es können aber auch Textilien hergestellt werden, die als eigenständiges Obermaterial Gebrauch finden.

Vorteile: Sehr leichte, strapazierfähige und meist wasserabweisende Materialien. Sie können aus Plastikflaschen, Stoffresten und produktionsbedingten Abfallfasern hergestellt werden, was natürlich umweltfreundlicher ist, als diese aus Erdöl gewonnene Chemiefaser neu zu produzieren. Alleine verwendet sind diese Materialien auch pflegeleicht, da man sie waschen kann. Als Futter in einer PU beschichteten Tasche ist das natürlich nicht möglich, man kann sie aber ganz gut feucht abwischen.

Nachteile: Werden sie nicht recycelt sieht die Ökobilanz bei diesen Fasern wieder anders aus. Wobei Polyester dann immer noch umweltfreundlicher ist als konventionell angebaute Baumwolle. Die Entsorgung bleibt auch weiterhin ein Problem. Meistens wird recyceltes Polyester und Nylon allerdings tatsächlich nur für Futter von Taschen, Einkaufstaschen oder für Rucksäcke verwendet, es bleibt also erst mal eine sportliche Alternative.

Fazit: In der nachhaltigen Mode werden bei Accessoires und Schuhen häufig recycelte Materialien eingesetzt. Oft aber eben auch nur als Futter. Sie stellen also momentan noch keine gute Alternative für Accessoires dar, es sei denn eben, man ist mit sportlichen varianten zufrieden. Sicherlich sind reyceltes Nylon und Polyester PU und vor allem PVC vorzuziehen, da sie umweltfreundlicher sind und gesundheitlichen Risiken bergen.

Links: Patagonia, Beyond Skin, Matt&Nat, Noah, Stella Mc Cartney

Da ich mich so schlecht kurz fassen kann und in diesem Fall auch gar nicht wollte – schließlich muss man die Materialien auch etwas näher verstehen um eine bessere Alternative darin zu sehen – habe ich den Artikel zwei geteilt. Im nächsten Teil folgen dann unter anderem noch die Materialien Tyvek und Kork.

Kauft ihr noch chromgegerbtes Leder? Welche Materialien gefallen euch besonders gut als Alternative?

Weiterführende Links und Quellen:

Gute Faser – Böse Faser
Greenpeace – Alles Wissenswerte rund um Kunststoffe

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5 Kommentare

  • Antworten strawberrymouse 3. September 2015 um 00:08 Uhr

    Toller Post; interessantes Thema (freue mich schon auf den zweiten Teil)!
    Als Vegetarierin trage ich auch kein Leder; deshalb bin ich immer sehr an Alternativen interessiert…

    • Antworten Mari 3. September 2015 um 11:25 Uhr

      Stimmt, viele Vegetarier verzichten auch auf Leder, da hatte ich gar nicht dran gedacht, weil alle Vegetarier in meinem Umkreis Leder tragen. Ich versuche auch so möglichst auf Leder zu verzichten, außer bei Schuhen, da bin ich mit der Atmungsaktivität und dem Comfort von anderen Materialien noch nicht so ganz zufrieden (abgesehen von Chucks oder Sandalen). Bin aber auf der Suche und vielleicht hatte ich auch noch nicht die passenden Schuhe an. Welche Schuhe (bzw. Materialien) trägst du denn so und wie kommst du damit zurecht?

  • Antworten strawberrymouse 7. September 2015 um 00:19 Uhr

    Ausgerechnet meine Mama liegt mir genau damit immer in den Ohren^^; ja, Leder hat gerade wegen der Atmungsaktivität einen großen Vorteil. Bei Taschen, Gürteln und Co. finde ich den Verzicht auch nicht schwierig, bei Schuhen eben schon. Insbesondere weil grüne Schuhe hier kaum zu bekommen sind- wäre das leichter (auch hinsichtlich umweltverträglicher Färbung usw.), könnte ich mir vielleicht sogar vorstellen, zumindest Leder-Schuhe zu tragen. Aufgrund dieses Mangels, weil ich grundsätzlich nicht gern Schuhe kaufe und meist Sneakers trage und mit einer Zwischengröße gesegnet bin, die das Bestellen über das Internet immer aufwändig macht, habe ich bisher immer konventionell gekauft. Meist Baumwolle oder andere Textilmaterialien. K-Swiss hat z.B. einige im Angebot, die bequem sind und sie führen Zwischengrößen. Stiefel sind schwierig, da greife ich gezwungenermaßen auf Kunstleder zurück, da schwitzen die Füße natürlich. Zuletzt habe ich mir ein Paar Ethletics gekauft.

  • Antworten Kathi 5. Dezember 2016 um 18:13 Uhr

    Ich hab mir vor einer Woche, es können auch anderthalb sein, Schuhe von Shoezuu gekauft. Die Schuhe sind im typischen UK Look, und anders als Du im Text beschrieben hast, hatte ich gar keine Einlaufprobleme. Von der ersten Sekunde an, fühlten die sich wie eine zweite Haut, keine Blasen, keine Druckstellen. Ich glaube, das kommt echt auf den Hersteller und das verwendete Material an.
    Die Schuhe heißen Shoezuu UK Boots, wenn ich das richtig im Kopf habe.
    LG

    • Antworten Mari 29. Januar 2017 um 18:53 Uhr

      Hallo Kathi,
      ich denke, dass die veganen Materialien für Schuhe immer besser werden. Ich hatte letztens Lederschuhe in der Hand und kurz anprobiert, die haben sich überhaupt nicht gut und sehr steif und fest angefühlt, eher wie ein schlechtes Leder Imitat. Es ist auch nicht jedes Leder besonders gut und umso besser wenn es mehr Materialien gibt, die tierfrei sind und gute Eigenschaften haben!
      Liebe Grüße
      Mari

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