Grüne Mode, Materialien & Pflege

Chromgerbung und ihre Folgen – Welche Alternativen gibt es?

Auf der Suche nach einem neuen, geeignetem Geldbeutel stellte sich mir erneut die Frage, ob ich eigentlich wirklich Lederprodukte kaufen möchte. Auch der momentane Ledertrend trägt dazu bei. Dabei warfen sich Fragen nach der Lederherstellung, Lederarten und der Ökobilanz von Lederersatz oder -alternativen auf. Da ich dazu nur schwer gute Artikel im Internet fand und mitbekommen habe, dass sich auch andere (und zwar nicht nur Veganer) für dieses Thema interessieren, habe ich beschlossen zu recherchieren und euch meine Ergebnisse mitzuteilen. Da dies ein recht umfangreiches Thema ist, werde ich ihm mehrere Blogposts widmen ;-).

Herkunft und Eigenschaften

Leder ist die Haut von Tieren, die durch die Gerbung chemisch haltbar gemacht wurde. Leder ist geschmeidig und zäh, deswegen sehr haltbar und vielseitig einsetzbar. Es ist wasserundurchlässig (bei richtiger Pflege) und ist trotzdem atmungsaktiv, somit ist es wetterfest, feucht abwaschbar und kann Schweiß absorbieren. Zudem ist es weiterhin leicht formbar, weswegen sich Lederschuhe dem Fuß etwas anpassen können, mit der Zeit allerdings auch „ausgelatscht“ sein können. Trotzdem ist auch das ein großer Vorteil von Leder, denn kaum ein anderes Material kann sich so individuell an den Fuß anpassen, was Lederschuhe sehr bequem machen kann. Dies sind meiner Meinung nach alles wichtige Vorteile von Leder, im Gegensatz zu vielen Alternativen.

Leder wurde bereits in der Steinzeit getragen, damals wurde es mit Fett und Rauch gegerbt. Für die Herstellung von Leder kann jede tierische Haut verwendet werden. Üblich sind Leder vom Kalb, Rind, Schaf, Ziege und Schwein.
Es gibt aber auch Reptilienleder und Fischleder. Fischleder ist sehr elastisch, weich und leicht. Das Material ist sehr unterschiedlich, da jede Fischhaut anders ist. Es kann wie jegliche andere Ledersorten zu Schuhen, Taschen und Accessoires verarbeitet werden. Je nachdem bleibt eine Schuppenstruktur auf dem Leder erhalten, obwohl die Schuppen nach der Bearbeitung natürlich nicht mehr vorhanden sind. Je nach Tier und Art der Gerbung können verschiedene Oberflächenstrukturen und -beschaffenheiten hergestellt werden.
Häufig wird Leder als „Nebenprodukt“ der Lebensmittelindustrie bezeichnet, man sollte aber bedenken, dass die Lederindustrie bedeutend groß ist und äußerst gewinnbringend. Somit kann man davon ausgehen, dass sie auch unabhängig vom Fleischkonsum bestehen würde und die Aussage „Die Tiere mussten doch sowieso sterben“ irgendwie keine gute Rechtfertigung ist. Zudem stammen diese Tiere vorwiegend aus Massentierhaltung. Leder von freilebenden Tieren sieht übrigens ein wenig anders aus, da sich die Spuren eines freilebenden Tieres auch auf der Haut bemerkbar machen.

Gerbverfahren

Die Häute werden zu einem dauerhaften Produkt geschaffen, da sie sich sonst zersetzen würden. Dazu werden sie in Salz oder durch Trocknen konserviert. Sie werden enthaart und entfleischt (dabei wird das Unterhautbindegewebe entfernt) und auf die eigentliche Gerbung vorbereitet.

Chromgerbung

Heute weit verbreitet ist die Gerbung mit Chrom und Aluminiumsalzen, oder auch anderen Chemikalien, die sowohl die Umwelt als auch die Arbeiter belasten und giftig sein können. Diese Gefahr besteht vor allem bei nicht fachgerechter Entsorgung und geringem Schutz der Arbeiter (das Einatmen von Chromat, welches bei der Verarbeitung und beim Färben entsteht ist krebserregend).
Durch das Auswaschen der Häute kommt es zur Versalzung von Böden, Schwermetalle können in Boden, Grund- und Oberflächenwasser gelangen. Das führt zu Ernteeinbußen und gesundheitlichen Folgen, wie Fehlgeburten, Leukämie, Durchfall und Hautausschlag. Auch nicht zu übergehen ist, dass Chrom unter hohem Energieaufwand gewonnen wird.
Doch auch für den Konsument können diese Stoffe Gefahren bergen, da Rückstände von Chromverbindungen an Lederprodukten bleiben können. Diese können bei Körperkontakt, insbesondere durch Schweiß, von Chrom (III) zu Chromat oxidieren, welches dann in unsere Haut eindringen kann und allergieauslösend, krebserregend oder erbgutschädigend sein kann.
Möglichkeiten zu einer sicheren Chromgerbung und Umweltschutzmaßnahmen gibt es, leider ist deren Ausführung in Entwicklungsländern aus Wettbewerbs- und Kostengründen kaum denkbar. Es werden 90% aller Leder weltweit mit Chrom gegerbt, da dies die billigste Methode ist.

Eine Alternative: Die pflanzliche Gerbung/vegetabile Gerbung/Lohgerberei

Hierbei werden als Gerbstoffe Eichen- oder Fichtenrinden, Kastanien- oder Eichenholz und weitere Holz- und Rindengerbstoffen verwendet. Sie werden zu Gerberlohe verarbeitet. Früher war dieses Verfahren üblich, da man keine anderen kannte, heute ist es eher selten, obwohl es weitaus umwelt- und menschenfreundlicher ist. Auch kann zum Beispiel mit Rhabarber gegerbt werden, den Begriff Rhabarberleder hat bestimmt jeder schon eimal gehört.
In Schuhen aus pflanzlich gegerbtem Leder braucht man sich keine Sorgen über allergenes Chromat machen, zudem sind pflanzliche Gerbstoffe  nachwachsend, die Entsorgung von Abwässern und den Endprodukte ist umweltfreundlicher.

Ein interessanter Artikel zum Thema wurde übrigens gerade erst auf dem Blog Grüne Mode veröffentlicht.

Meine Meinung

Bekannt waren mir viele dieser Punkte schon länger, für mich ist aber spätestens nach meinen Recherchen klar, dass ich die Lederindustrie, so wie sie momentan ist, eigentlich nicht unterstützen möchte. Da ich von der Qualität von Leder an sich allerdings überzeugt bin, werde ich in Zukunft versuchen, pflanzlich gegerbtes Leder vorzuziehen. Ob ich mich ganz von Leder abwenden kann, wage ich momentan noch zu bezweifeln, werde meine Recherchen zu Lederalternativen aber fortsetzen. Momentan halte ich Lederschuhe, gerade im Winter, dank ihrer Eigenschaften und Optik noch für unersetzlich. Bei Taschen und Accessoires mangelt es meiner Meinung nach einfach am Angebot guter Alternativen.

Schöne Schuhe aus pflanzlich gegerbtem Leder zu finden, gestaltet sich leider gar nicht so einfach. Von Accessoires ganz zu schweigen. Ich hoffe das ändert sich in Zukunft!
Natürlich ist die pflanzliche Gerbung teurer. Da muss man sich eventuell fragen, wieviele Schuhe man wirklich braucht (ist sowieso nachhaltiger ;-)) und sich leisten kann, oder auf Second-Hand und Flohmarkt zurückgreifen.

Eine Marke die mich wirklich überzeugen kann ist Johannes W.. Die Boots der Jonny’s Linie und auch die vegane Schuhlinie (für den Sommer) überzeugen mich vollkommen. Hier seht ihr meine neuen, heiß geliebten Boots, die wirklich unglaublich bequem und zudem gut verarbeitet sind!
Boots-Jonnys

Wie sieht es bei euch aus, achtet ihr darauf, welches Leder ihr kauft? Oder verzichtet ihr gar ganz auf Leder?

Links zu Anbietern pflanzlich gegerbter Lederprodukte:

Quellen:

Videos zum Thema:

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3 Kommentare

  • Antworten Julchen 15. November 2013 um 12:54 Uhr

    Ich finde es klasse, dass du zu dem Thema gleich eine ganze Reihe von Posts schreiben wirst. Noch vor ein paar Monaten habe ich mir überhaupt keine Gedanken zum Thema Ledergerbung gemacht, jetzt aber schon. In Zukunft will ich darauf achten, vermehrt Produkte aus pflanzlicher Gerbung zu kaufen, hoffentlich wird sich das Angebot auf dem Gebiet noch vergrößern.

    • Antworten Mari 15. November 2013 um 14:30 Uhr

      Ich denke, dass sich das Angebot etwas vergrößern wird, ansonsten wird es aber auch vermehrt Alternativen geben. Und da suche ich momentan nach hochwertigen, optisch schönen Möglichkeiten, denn Kunstleder finde ich meistens einfach nur billig!
      LG Mari

  • Antworten Jess Alabaster 18. November 2013 um 22:37 Uhr

    YAY – ich find die Stiefel soooo toll! Schlicht und daher immer wieder tragbar. Hab sie vor Kurzem auch schon im Blick gehabt. Inzwischen kaufe ich auch nur noch vegetabil gegerbtes Leder…Winterstiefel mussten es bisher allerdings noch nicht sein, da meine Kustlerderstiefel inzwischen schon drei Winter überstanden haben…mal sehen wie es im kommenden Jahr aussieht. 🙂
    Super Artikel!

    Liebe Grüße,
    die Jess

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