Dekorative Kosmetik, Gedanken, Körper- & Haarpflege, Naturkosmetik

Warum Naturkosmetik nicht immer besser ist

Das Thema geistert mir nun schon ziemlich lange im Kopf herum, dann haben Valandriel von Die Schwarze Schönheit und Sandra von Washing-Green kritische Beiträge zum Thema Naturkosmetik veröffentlicht. Eigentlich wollte ich damals schon Antworten posten, die wären allerdings einfach zu lang geworden, deswegen habe ich beschlossen, meine Meinung auf einen eigenen Blogpost zu verschieben ;-).

Bereits zu Bloganfängen habe ich einen Artikel über die Vor- und Nachteile von Naturkosmetik verfasst. An diesen Punkten hat sich auch nichts geändert, allerdings habe ich mehr Erfahrung gesammelt und noch weitere Nachteile festgestellt.

Ich sehe alle Hypes, und dazu gehört Naturkosmetik gerade, immer kritisch, deswegen recherchiere ich sehr umfangreich und versuche mir dann meine eigene Meinung zu bilden. Das ist ziemlich oft aber gar nicht so einfach. Für viele Studien, die etwas belegen, gibt es auch wieder Studien, die das widerlegen. Deswegen finde ich zum Beispiel das Thema Aluminium in Deos schwierig. Da ich gut ohne auskomme verzichte ich einfach darauf. So geht es mir mit vielen kosmetischen Produkten. Einen Nachweis, ob das besser und gesünder ist, habe ich dafür aber nicht.

Da Naturkosmetik in vielen Fällen besser für die Umwelt ist und viele Hersteller auch mehr auf nachhaltige und faire Produktion achten, halte ich Naturkosmetik vom Prinzip her für die bessere Variante. Nicht aber immer für die bessere Wahl.
Das hat verschiedene Gründe:

  • Naturkosmetik wird meistens mit Alkohol (und ich meine damit nicht pflegende Fettalkohole) und ätherischen Ölen länger haltbar gemacht. Diese Inhaltsstoffe können aber zu Hautreizungen oder Unreinheiten führen und Allergie auslösen. Nicht nur bei herkömmlicher Kosmetik sind Duftstoffe bedenklich sondern eben auch bei Naturkosmetik.
    Deswegen versuche ich weitesgehend auf Duftstoffe/ätherische Öle zu verzichten, auch, weil ich sowieso schon empfindliche Haut habe, die zu Exzemen neigt. Es gestaltet sich nicht gerade einfach duftsstoff- und alkoholfreie Produkte im Naturkosmetik-Bereich zu finden. Ich kann aber die Freistil sensitiv Serie von i+m und die no perfume Reihe von Urtekram empfehlen.
    Hätte ich keinerlei Probleme mit Duftstoffen, würde ich auch weiter dementsprechende Produkte verwenden, so lange ich eine positive Wirkung feststelle. Genauso wie umgedreht macht es auch hier meiner Meinung nach keinen Sinn Naturkosmetik mit Alkohol und ätherischen Ölen zu verteufeln.
  • Auch im Bereich Naturkosmetik, insbesondere im dekorativen Bereich, können Stoffe enthalten sein, die in größeren Mengen bedenklich sein können. Trotzdem dürfen sie in geringen Mengen auch in Naturkosmetik-Produkten enthalten sein. Was ich von entsprechenden Studien halte, habe ich oben ja schon beschrieben. Hier ist es jedem selber überlassen, ob man der Gesetzgebung vertraut oder nicht. In anderen Ländern sind die Regelungen übrigens oft deutlich lockerer, für mich ein Grund mehr der Sache nicht zu trauen. Meine Devise ist generell less is more.
    Überschaubare Inhaltsstoffe findet man im dekorativen Bereich in der Mineralkosmetik. Diese ist zwar in der Handhabung etwas gewöhnungsbedürftig, dafür aber in der Anwendung sehr kreativ.
  • Für viele Naturkosmetik-Produkte mit ähnlicher Wirkung wie konventionelle Kollegen muss man mehr zahlen. Das gilt insbesondere für Shampoos und Bodylotions. Und hier geht es nicht um ein paar Cent sondern oft um mehrere Euro. Das halte ich wirklich für fragwürdig. Ist das herkömmliche Produkt inhaltsstofftechnisch nämlich genauso unbedenklich, dann spielt wirklich nur noch der Umweltaspekt eine Rolle. Aber selbst da gibt es im herkömmlichen Bereich Fortschritte und auch nicht jedes Naturkosmetik Produkt ist nachhaltig.
  • Das Shampoo gehört wahrscheinlich bei vielen zu den ersten Naturkosmetik-Käufen. Von wegen Silikone und so weiter. Tatsächlich konnte ich bei mir feststellen, dass meine ohnehin schon relativ gesunden Haare noch weniger Spliss aufweisen und meine Kopfhaut nicht mehr so schnell juckt. Aber dafür sind meine Haare wahnsinnig schwer auseinander zu kämmen und je nach Shampoo fallen sie einfach nicht schön. Jetzt muss ich Spülungen oder Leave-in Sprays verwenden. Die wirklich guten Naturkosmetik-Shampoos für meine Haare sind mir einfach zu teuer, ich sehe es momentan nicht ein über 10 Euro auszugeben obwohl ich vorher mit Shampoos für 2,50 Euro klar gekommen bin.
    Natürlich betrifft mich dieser Bereich besonders, jemand anderes kommt vielleicht eher damit klar. Was ich damit aber sagen möchte ist, dass es nicht für jeden in jedem Bereich ein akzeptables, nicht überteuertes Naturkosmetik-Produkt gibt.
  • Bezugsquellen für Naturkosmetik-Produkte stellen zwar mittlerweile kein wirkliches Problem mehr dar, allerdings nur, wenn man online shoppt. Das hat aber den Nachteil, dass man Farben und Düfte nicht vorweg testen kann oder sich Proben bestellen muss, was wiederum mit Kosten verbunden sein kann. Tolle Naturkosmetik Läden in der Stadt gibt es wirklich nur an wenigen Orten. Ansonsten muss man in Bio-Läden oder in Drogeriemärkte gehen, wo weder das Spa-feeling aufkommt noch gute Beratung an der Tagesordnung ist. Das wird sich in Zukunft hoffentlich ändern und dank erhöhter Nachfrage sollte es auch mehr entsprechende Läden geben.

naturkosmetik-2

Ich verwende momentan nur wenige konventionelle Produkte. Dazu gehört die Arzt-Seife von Balea, die duftstoff- und alkoholfrei ist. Perfekt also für trockene und im Winter rissige Haut. Außerdem kaufe ich ab und zu mal das Duschgel von CD, nämlich dann, wenn das von Urtekram leer ist und ich kein Back-Up habe. Mit dem Duschgel von CD komme ich soweit ganz gut klar, Urtekram ist aber besser, deswegen bin ich auch bereit dafür mehr zu zahlen. Ansonsten habe ich eine Zeitlang eine Handcreme aus der Apotheke verwenden: Excipial Sensitive. Die wurde von der Urtekram Handcreme abgelöst, ist aber vor allem bei Exzemen ein Retter in der Not! Die Gesichtcreme no perfume von Urtekram vertrage ich übrigens auch ganz gut.
Ich kaufe auch immer noch konventionelle Zahncreme, da ich in diesem Bereich Naturkosmetik nicht über den Weg traue. Ich will nicht in 5 Jahren feststellen, dass das eine dumme Idee war ;-). Bei konventionellen Produkten orientiere ich mich übrigens ganz gerne an Öko- oder Warentest-Ergebnissen.

Wir seht ihr das Thema Naturkosmetik? Seid ihr total überzeugt oder stört euch auch etwas an Naturkosmetik? Verwendet ihr nur Naturkosmetik-Produkte oder auch noch konventionelle?

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5 Kommentare

  • Antworten Ann-Kathrin 7. Dezember 2015 um 21:33 Uhr

    Ein sehr interessanter Artikel. Ich bin momentan dabei auf Naturkosmetik umzustellen da ich mit konventioneller Kosmetik in den letzten Jahren immer unzufriedener wurde. Für mich steht jedoch im Vordergrund, dass ich lediglich Produkte benutzen möchte, die tierversuchsfrei sind. Das wäre mir im Einzelfall auch wichtiger als ein Naturkosmetik-Siegel.

    • Antworten Mari 8. Dezember 2015 um 13:00 Uhr

      Der Siegel an sich ist mir auch nicht so wichtig, viele Firmen lassen sich ja auch aus Kostengründen erst mal nicht zertifizieren :).

  • Antworten Vanessa 17. Dezember 2015 um 17:52 Uhr

    Naturkostmetik ist meistens nicht so gut verarbeitet wie konventionelle Produkte und lässt sich oft nicht gut verteilen.

  • Antworten Lara Miller 20. September 2016 um 17:17 Uhr

    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel! Persönlich finde ich dass auch bei Naturkosmetik-Produkte müssen wir beachten. Sie sind nicht 100% natürlich und enthalten Stoffe, die in großen Mengen toxisch sein können.

    • Antworten Mari 20. September 2016 um 21:22 Uhr

      Gerne 🙂 Ich versuche auch, Naturkosmetik-Produkte mit so wenig schlechten oder bedenklichen Inhaltsstoffe wie möglich zu verwenden. Sicher ist sicher, aber ganz ausschließen kann man es vermutlich nie, da viele Dinge auch einfach (noch) nicht bekannt sind.

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